Wie du dich auf das Vermittler-Gespräch vorbereitest
Eine gute Vorbereitung für das Vermittler-Gespräch dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Drei Dinge gehören dazu: Unterlagen sortieren, Ziel formulieren, typische Fragen durchgehen. Wer das macht, wirkt anders als jemand, der spontan reinläuft. Nicht besser. Nur klarer.
Die Vorbereitung ist nicht dazu da, den Vermittler zu beeindrucken. Sie ist dazu da, dass du selbst weißt, was du willst.
Warum Vorbereitung so viel ausmacht
Vermittler führen täglich zwischen zehn und fünfzehn Gespräche. In den ersten fünf Minuten bilden sie sich einen Eindruck: Weiß die Person, was sie will? Kooperiert sie? Hat sie konkrete Ideen? Dieser Eindruck prägt den Rest des Gesprächs und oft auch die Akte.
Das hat nichts mit “gut” oder “schlecht” zu tun. Es ist Bürokratie unter Zeitdruck.
Wer sich vorbereitet hat, spart beiden Seiten Zeit. Der Vermittler kann konkreter beraten. Du bekommst weniger Standardantworten. Beides hilft.
Die Vorbereitungs-Checkliste
72 Stunden vor dem Termin
Setz dich einmal hin und beantworte für dich selbst:
- Was willst du beruflich als Nächstes? Konkret, nicht allgemein.
- Warum hat dein letzter Job nicht zu dir gepasst (oder warum endete er)?
- Was kannst du besonders gut? Zwei bis drei Dinge, nicht mehr.
- Welche Hindernisse hast du (Gesundheit, Betreuung, Wohnort, Sprache)?
- Hast du eine konkrete Weiterbildung im Kopf? Welche?
Wenn du Frage 1 und 5 nicht klar beantworten kannst, ist das okay. Sag das auch so im Gespräch. Ehrlichkeit hilft mehr als erfundene Klarheit.
24 Stunden vor dem Termin
Sortiere deine Unterlagen:
- Personalausweis
- Sozialversicherungsnummer
- Letzte Kündigung oder Aufhebungsvertrag
- Aktueller Lebenslauf
- Wichtige Zeugnisse und Qualifikationen
- Falls vorhanden: Nachweis zur Kinderbetreuung, Atteste, Schwerbehindertenausweis
Eine komplette Liste findest du im Artikel über die Unterlagen fürs Vermittler-Gespräch.
Drucke alles zweifach aus. Eine Mappe für den Vermittler, eine für dich. Digital reicht manchmal nicht.
Der Tag selbst
Sei eine halbe Stunde vorher da. Geh nicht mit leerem Magen. Nimm eine Flasche Wasser mit.
Schalte vorher das Handy lautlos. Auch Familie und Freund wissen, dass du diese 45 Minuten nicht erreichbar bist.
Die drei Sätze, die du parat haben solltest
Wer einen klaren Satz zu seiner Situation, seinem Ziel und seinem Vorschlag hat, führt das Gespräch mit. Die genauen Formulierungen findest du im Artikel zu den sieben Sätzen vor dem Vermittler-Gespräch.
Kurzform:
- Situationssatz: “Ich bin seit X arbeitssuchend, davor war ich Y.”
- Zielsatz: “Ich möchte mich in Richtung Z weiterentwickeln.”
- Vorschlagssatz: “Eine vierzehnmonatige AZAV-zertifizierte Weiterbildung wäre aus meiner Sicht der passende Schritt.”
Die Sätze darfst du dir notieren und spicken. Auswendig ist nicht nötig.
Typische Fragen durchspielen
Vermittler haben einen Standardkatalog. Die wichtigsten Fragen kommen in fast jedem Erstgespräch vor:
- “Was haben Sie zuletzt gemacht?”
- “Warum suchen Sie jetzt Arbeit?”
- “Was möchten Sie als Nächstes machen?”
- “Wie flexibel sind Sie räumlich?”
- “Welche Hindernisse sehen Sie bei der Jobsuche?”
- “Haben Sie sich schon beworben?”
- “Wie viele Bewerbungen schreiben Sie pro Woche?”
Zu jeder dieser Fragen solltest du eine knappe Antwort parat haben. Zwei bis drei Sätze reichen. Lange Monologe ermüden, kurze Schweigepausen sind unangenehm.
In meinen Beratungsgesprächen sehe ich oft, dass Menschen bei der Frage “Was möchten Sie als Nächstes machen?” in Verlegenheit kommen. Das ist die zentrale Frage. Wenn du hier vorbereitet bist, hast du das Gespräch halb gewonnen.
Weitere Beispielfragen mit Antwort-Patterns stehen im Artikel zu den häufigsten Vermittler-Fragen.
Was du recherchieren solltest
Wenn du eine bestimmte Weiterbildung anvisierst, kenn die Eckdaten:
- Kursbezeichnung
- Dauer (Wochen oder Monate)
- Format (online, Präsenz, Vollzeit, Teilzeit)
- Träger und AZAV-Zertifizierung
- Abschluss und Zertifikate
- Typische Einstiegsgehälter danach
Das Stichwort AZAV ist wichtig. Nur AZAV-zertifizierte Träger dürfen Bildungsgutscheine annehmen. Die Information sollte der Träger auf seiner Website haben.
Wenn du KI- oder Digitalisierungskurse im Kopf hast, kenn die Stichworte: § 81 SGB III Bildungsgutschein{target=“_blank” rel=“noopener”}, DEKRA-zertifiziert, 100 Prozent Kostenübernahme bei Bewilligung.
Was du nicht vorbereiten musst
- Keine Bewerbungsmappe für den Vermittler. Er stellt dich nicht ein.
- Keine ausführliche Selbstpräsentation. Keine Powerpoint.
- Keine Geschichten über den ehemaligen Arbeitgeber. Auch nicht, wenn sie wahr sind.
Halte dich an das, was für die Zukunft relevant ist. Die Vergangenheit interessiert den Vermittler nur als Ausgangspunkt.
Der mentale Teil
Viele Menschen gehen mit Druck und Scham in dieses Gespräch. Das ist verständlich und gleichzeitig unnötig. Arbeitslosigkeit ist keine persönliche Schuld. Sie ist eine Lebensphase.
Der Vermittler hat schon alles gehört. Burnout, Kündigung, Scheidung, Umzug, Insolvenz. Dein Fall ist für ihn nicht außergewöhnlich, auch wenn er für dich einmalig ist.
Was hilft: vorher drei Mal tief durchatmen. Aufrecht sitzen. Den Vermittler als Kollegen sehen, nicht als Richter. Ihr arbeitet am selben Problem, aus unterschiedlichen Perspektiven.
FAQ
Wie lange sollte ich für die Vorbereitung einplanen?
Etwa 60 bis 90 Minuten insgesamt, verteilt auf zwei bis drei Tage. Unterlagen sortieren, Ziele klären, typische Fragen durchgehen. Das reicht für das Erstgespräch.
Darf ich Notizen ins Gespräch mitnehmen?
Ja. Ein kleines Notizbuch mit Stichworten ist ausdrücklich erlaubt und wirkt professionell. Kein Grund, es zu verstecken.
Was, wenn ich noch keine konkrete Weiterbildung im Kopf habe?
Dann sag das ehrlich. Der Vermittler kann dich zu einer Berufsorientierung verweisen oder Vorschläge machen. Erfundene Klarheit fällt schnell auf und schadet.
Kann ich Vorbereitungshilfe von der AfA bekommen?
Ja. Über Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine (AVGS, §§ 44-46 SGB III) gibt es Coachings, die auch die Vorbereitung auf das Vermittler-Gespräch abdecken. Frag im Erstgespräch danach.
Wo finde ich unabhängige Beratung?
Sozialverbände wie VdK und SoVD beraten kostenlos. Arbeitslosenberatungsstellen in vielen Städten sind auf solche Fragen spezialisiert. Bei geringem Einkommen: Beratungshilfeschein beim Amtsgericht für Anwaltsberatung.
Zuletzt geprüft am 21.04.2026 von Dr. Jens Aichinger.
Der AfA-Gesprächsleitfaden als PDF Eine 2-seitige Checkliste für dein Vermittler-Gespräch: was du sagst, was du mitbringst, was du vermeidest. Kostenlos herunterladen
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