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Die häufigsten Vermittler-Fragen und wie du antwortest

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Ein aufgeschlagenes Notizbuch mit Fragen und Stichwortantworten

In den meisten Vermittler-Gesprächen fallen dieselben 15 Fragen. Wer sie kennt und zu jeder eine kurze Antwort parat hat, bekommt kein Gespräch wie aus dem Fragebogen, sondern eines, in dem beide Seiten strukturiert arbeiten können.

Die Antworten sollen nicht auswendig gelernt sein. Sie sind Stichwort-Anker. Im echten Gespräch formulierst du frei, weißt aber, wo du hinwillst.

Die Standardfragen im Erstgespräch

”Warum suchen Sie jetzt Arbeit?”

Kurz und sachlich. Kein Frust-Monolog über den alten Arbeitgeber.

“Mein Arbeitsverhältnis endete durch [Kündigung / Aufhebungsvertrag / Vertragsende]. Ich bin seit dem [Datum] arbeitssuchend gemeldet.”

Wenn es einen speziellen Grund gab (betriebsbedingte Kündigung, Insolvenz, Umstrukturierung): einen Satz dazu. Nicht mehr.

”Was haben Sie zuletzt gemacht?”

Beruf, Branche, Zeitraum. Keine Tätigkeitsbeschreibung.

“Ich war acht Jahre kaufmännische Angestellte in einem Logistikunternehmen in der Auftragssachbearbeitung.”

Der Lebenslauf, den du in der Mappe dabei hast, zeigt die Details. Der Vermittler liest sie nicht in der Sekunde, aber er greift später darauf zu.

”Welche Qualifikationen haben Sie?”

Formell und informell. Fachabschluss, Fortbildungen, Sprachen.

“Kaufmännische Ausbildung als Industriekauffrau, IHK-Abschluss 2017. Sachbearbeitung Zoll im Jahr 2022, Englisch B2, SAP-Grundkenntnisse.”

Nicht alle Skills auf einmal. Die wichtigsten drei bis fünf. Vermittler merken sich keine Listen mit 15 Punkten.

”Was möchten Sie als Nächstes machen?”

Hier wird es wichtig. Die Antwort strukturiert das ganze Gespräch.

“Ich möchte in den Bereich [Ziel] wechseln. Aus meiner Sicht ist eine Weiterbildung zum [konkreter Kurs] der passende Schritt, weil [zwei Gründe].”

Konkret. Begründet. Nicht “irgendwas mit Computern” oder “was mit Menschen”.

”Wie flexibel sind Sie räumlich?”

Das ist eine Prüfung deiner Mobilität. Die Antwort hängt von deiner Situation ab:

  • “Ich bin bereit, bundesweit zu suchen.” (wenn du mobil bist)
  • “Mein Aktionsradius ist 50 Kilometer.” (realistische Einschränkung)
  • “Ich bin durch [Betreuung / Pflege / Eigentum] ortsgebunden, bin aber offen für Remote-Stellen.” (gebunden, aber kompensationsfähig)

Nicht lügen. Später kommen regional unpassende Angebote, die du sowieso ablehnen müsstest.

Die Detail-Fragen zur Bewerbungshistorie

”Haben Sie sich schon beworben?”

Zahlen statt Worte.

“Ja. In den letzten zwei Monaten 25 Bewerbungen. Acht Absagen, drei Einladungen zu Vorstellungsgesprächen, zwei Zweitgespräche, keine Zusage.”

Wenn du weniger beworben hast: ehrlich sagen. “Ich habe mit Bewerbungen erst vor zwei Wochen begonnen, weil [Grund]."

"Wie viele Bewerbungen schreiben Sie pro Woche?”

“Aktuell drei bis fünf pro Woche. Abhängig von passenden Stellen.”

Wenn weniger: Grund nennen. “Der Markt in meinem Beruf ist sehr eng, pro Woche erscheinen nur zwei bis drei passende Stellen."

"Warum gab es keine Zusagen?”

Ehrlich, ohne Selbstzerfleischung.

“Aus den Rückmeldungen höre ich häufig: fehlende aktuelle digitale Skills. Das ist einer der Gründe, warum ich über Weiterbildung nachdenke.”

Die Fragen zu deiner persönlichen Situation

”Gibt es gesundheitliche Einschränkungen?”

Diese Frage ist heikel. Du bist nicht verpflichtet, alle gesundheitlichen Details offenzulegen. Aber wenn Einschränkungen deine Vermittlung oder Weiterbildung beeinflussen, solltest du sie nennen.

“Ich habe eine [Rücken- / psychische / chronische] Erkrankung, die bestimmte Tätigkeiten einschränkt. Im Bereich Büro und Digitalisierung ist die Arbeit gut machbar.”

Wenn du einen Schwerbehindertenausweis hast: vorlegen. Das löst zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten aus.

”Haben Sie Kinder oder Pflegeverantwortung?”

Faktisch antworten. Das löst eventuell Anspruch auf Kinderbetreuungskosten nach § 87 SGB III aus (160 Euro pro Kind und Monat).

“Ich habe zwei Kinder im Alter von fünf und acht Jahren. Die Betreuung ist durch Kita und Schulhort geregelt, Randzeiten durch Familie abgedeckt."

"Wie ist Ihre finanzielle Situation?”

Keine Ausführlichkeit. Der Vermittler braucht keine Bankauszüge.

“Ich beziehe ALG I, die Situation ist für einige Monate tragbar. Die Weiterbildung hat auch finanzielle Relevanz für mich, deshalb ist der Zeitrahmen wichtig.”

Die Fragen zur Weiterbildung

”Warum genau diese Weiterbildung?”

Die Kernfrage, wenn es zum Bildungsgutschein geht. Dein Dreisatz:

“Erstens passt der Inhalt zu meinem Ziel im Bereich [X]. Zweitens ist die Dauer mit vier Monaten angemessen und der Abschluss klar definiert. Drittens ist der Träger AZAV-zertifiziert, damit förderfähig nach § 81 SGB III{target=“_blank” rel=“noopener”}."

"Haben Sie Alternativen geprüft?”

Ja, und welche. Siehe Artikel wenn der Vermittler nach Alternativen fragt.

”Können Sie sich eine Eigenbeteiligung vorstellen?”

Knifflig. Bildungsgutschein heißt 100 Prozent Kostenübernahme. Eigenbeteiligung wäre nicht üblich.

“Der Kurs ist für Bildungsgutscheine vorgesehen, eine Eigenbeteiligung ist aus meiner finanziellen Situation nicht realistisch."

"Was machen Sie nach Abschluss der Weiterbildung?”

“Ich bewerbe mich in [Zielberuf / Branche]. Der Arbeitsmarkt in diesem Bereich hat laut Bitkom und IHK-Fachkräftereport über 100.000 offene Stellen. Eine schnelle Vermittlung ist realistisch, eine Garantie kann natürlich niemand geben.”

Die Formulierung “eine Garantie kann niemand geben” zeigt, dass du die Realität kennst. Das wirkt reif.

Die Fragen zur Motivation

”Warum dieser Bereich und nicht Ihr alter Beruf?”

Ehrlich und strategisch.

“Der alte Markt ist eng, der neue wächst. Meine Stärken [Strukturierung / Analyse / Detailgenauigkeit] kann ich im neuen Bereich nutzen."

"Was passiert, wenn die Weiterbildung nicht bewilligt wird?”

Keine Drohgebärde. Sachliche Alternative.

“Dann werde ich weiter parallel bewerben. Ich bleibe aber überzeugt, dass die Qualifikation mittelfristig notwendig ist, und würde einen Widerspruch oder einen späteren zweiten Antrag prüfen.”

Das signalisiert Entschlossenheit, ohne Druck.

Was du nicht beantworten musst

Einige Fragen sind grenzwertig. Du musst nicht auf alles antworten:

  • “Warum haben Sie keine Partnerin, die Sie unterstützen kann?” (irrelevant)
  • “Ist Ihre Schwangerschaft geplant?” (tabu)
  • “Waren Sie mal in Therapie?” (nur wenn du willst)
  • “Haben Sie finanzielle Reserven?” (nur in Grundzügen relevant)

Bei grenzwertigen Fragen höflich antworten: “Das gehört zu meiner Privatsphäre, ist aber für die Vermittlung oder Weiterbildung nicht relevant.”

Bei klaren Übergriffen kannst du den Vermittler wechseln. Mehr im Artikel Vermittler-Wechsel.

Wie du dir die Antworten notierst

Vor dem Gespräch: Notizzettel mit den 15 Fragen und zwei bis drei Stichworten pro Frage. Nicht ausformuliert. Nur Anker.

Im Gespräch darfst du spicken. Das wirkt organisiert, nicht unbeholfen.

In meiner Beratungspraxis sehe ich oft, dass Menschen mit Notizzettel souveräner wirken als ohne. Weil sie im Moment der Frage die Gedanken sortiert haben.

FAQ

Muss ich alle Fragen beantworten?

Nein. Fragen zur Vermittlung und zu deiner beruflichen Situation ja, private Fragen nur wenn du willst. Bei Zweifel: “Ist das für die Vermittlung relevant?”

Darf ich bei einer Frage überlegen?

Ja. Kurzes Schweigen ist kein Problem. “Lassen Sie mich einen Moment überlegen” ist ein legitimer Satz.

Was, wenn ich eine Antwort später korrigieren will?

Möglich. “Ich möchte zu Frage X zurückkommen: meine Antwort vorhin war nicht ganz präzise, korrekt wäre…”

Werden meine Antworten im Detail protokolliert?

Die wichtigsten ja, in einem Beratungsvermerk. Wörtliche Zitate selten, aber Kernaussagen ja. Deine Gesprächsnotizen helfen, später zu prüfen, was in der Akte gelandet ist.

Was tun, wenn mir eine Antwort unangenehm ist?

Kurz und wahr. “Das ist ein schwieriger Punkt für mich, aber die Antwort lautet…” Mehr ist oft nicht nötig.

Zuletzt geprüft am 21.04.2026 von Dr. Jens Aichinger.

Der AfA-Gesprächsleitfaden als PDF Eine 2-seitige Checkliste für dein Vermittler-Gespräch: was du sagst, was du mitbringst, was du vermeidest. Kostenlos herunterladen

Wenn du lieber direkt sprechen willst: 10 Minuten mit Jens

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