AVGS und Coaching-Gutschein: was das ist und wer es bekommt
Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) ist ein Gutschein mit dem du ein zertifiziertes Coaching, ein Bewerbungstraining oder eine Vermittlungsleistung kostenlos in Anspruch nimmst. Die Agentur für Arbeit vergibt ihn nach § 45 SGB III, das Jobcenter über § 16 Absatz 1 SGB II in Verbindung mit § 45 SGB III. Die Leistung ist in beiden Fällen inhaltlich ähnlich, der rechtliche Rahmen unterscheidet sich.
Viele Ratgeber werfen AVGS und Bildungsgutschein in einen Topf. Das ist ungenau. Der Bildungsgutschein deckt eine längere Weiterbildung nach § 81 SGB III ab. Der AVGS ist ein kürzeres Werkzeug für Coaching, Bewerbungstraining oder Vermittlung.
Was ist ein AVGS?
Der AVGS ist ein papierloser Gutschein über eine bestimmte Dienstleistung. Typische Inhalte:
- Bewerbungscoaching (Lebenslauf, Anschreiben, Online-Profile)
- Berufliche Orientierung und Potenzialanalyse
- Vermittlung durch einen privaten Arbeitsvermittler
- Coaching in Richtung Selbstständigkeit (Gründungscoaching)
Die Dauer liegt je nach Maßnahme zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten. Der Gutschein hat eine Gültigkeitsfrist, meist drei Monate. In dieser Zeit musst du einen zertifizierten Träger auswählen und dort starten.
Wer stellt den AVGS aus?
Zwei Stellen kommen in Frage, je nach Leistungsbezug.
AfA-AVGS (§ 45 SGB III): Für Menschen mit Arbeitslosengeld I, für Arbeitssuchende vor Eintritt der Arbeitslosigkeit und für Beschäftigte, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Ansprechpartner ist die Vermittlungsfachkraft.
Jobcenter-AVGS (§ 16 SGB II): Für Bürgergeld-Empfänger. Rechtsgrundlage ist § 16 Absatz 1 SGB II, der auf die SGB-III-Instrumente verweist. Ansprechpartner ist dein persönlicher Coach im Jobcenter.
Die Fördertatbestände sind ähnlich, der Ermessensspielraum ist bei beiden Behörden hoch. In der gemeinsamen Dienstanweisung der Bundesagentur{target=“_blank” rel=“noopener”} werden die Voraussetzungen beschrieben.
Was kann ich mit einem AVGS machen?
Der AVGS nennt die konkrete Leistung, die du wahrnehmen darfst. Er ist nicht frei verhandelbar. Wenn du einen Gutschein für Bewerbungscoaching bekommst, kannst du kein Gründungscoaching daraus machen.
Typische Varianten:
| Variante | Dauer | Zielgruppe |
|---|---|---|
| Bewerbungscoaching | 4 bis 12 Wochen | Arbeitssuchende, die ihre Unterlagen professionalisieren wollen |
| Vermittlung durch Dritte | bis zu 6 Monate | Menschen, die eigenständig die Vermittlung erweitern wollen |
| Gründungscoaching | 3 bis 6 Monate | Vor dem Gründungszuschuss, mit konkretem Geschäftskonzept |
| Berufliche Orientierung | 4 bis 8 Wochen | Bei unklarer Richtung, nach Branchenwechsel |
Ein AVGS ersetzt keine Weiterbildung. Wer eine mehrmonatige Qualifizierung mit Abschluss anstrebt, braucht einen Bildungsgutschein. Mehr dazu im Artikel über die Ablehnungsgründe bei Bildungsgutscheinen.
Wann lohnt sich ein AVGS?
Ein AVGS macht Sinn, wenn du konkrete Unterstützung für einen abgegrenzten Schritt brauchst. Drei Situationen aus der Beratungspraxis:
Wer nach zehn Jahren im gleichen Beruf gekündigt wurde, hat oft keinen tagesaktuellen Lebenslauf. Ein Bewerbungscoaching räumt auf. Zwei bis drei Wochen Arbeit, danach steht die Mappe.
Wer zwischen zwei Richtungen schwankt (alter Beruf oder neue Qualifizierung), kann über ein Orientierungscoaching die Frage sortieren. Das ist oft der Schritt vor dem Bildungsgutschein-Antrag.
Wer in die Selbstständigkeit will, braucht meistens ein Gründungscoaching, bevor der Gründungszuschuss bewilligt wird. Der AVGS ist dann das Eintrittsticket.
Wenn dein Vermittler sagt “wir sollten erst bei deiner Bewerbung ansetzen”, ist das oft der Vorschlag eines AVGS. Wie du in so einem Gespräch reagierst, steht im Artikel Was tun wenn der Vermittler Bewerbungstraining zuerst will.
AfA-AVGS und Jobcenter-AVGS im Vergleich
Auch wenn beide Gutscheine ähnlich aussehen, gibt es praktische Unterschiede.
Rechtsgrundlage: Bei der AfA § 45 SGB III direkt. Beim Jobcenter § 16 SGB II, der auf § 45 SGB III verweist. Für dich als Nutzer macht das kaum einen Unterschied, außer bei Widersprüchen. Der Rechtsweg läuft jeweils über die zuständige Behörde.
Ermessen: Beide sind Ermessensleistungen. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf einen AVGS, auch nicht bei langer Arbeitslosigkeit. Die Behörde prüft, ob die Maßnahme deine Eingliederungschancen verbessert.
Budget: AfA und Jobcenter haben getrennte Haushalte und eigene Jahresvorgaben. Im SGB-II-Bereich ist das Budget pro Kopf in der Regel kleiner. Das heißt nicht dass Bürgergeld-Bezieher weniger Anspruch hätten, aber die Genehmigungspraxis kann sich regional unterscheiden.
Pflichten: Mit dem Jobcenter regelst du deine Schritte im Kooperationsplan, mit der AfA in der Eingliederungsvereinbarung. Wenn der AVGS im Plan steht, ist die Teilnahme verbindlich.
Wie beantrage ich den AVGS konkret?
Der Weg ist in beiden Fällen ähnlich. Du sprichst mit deinem Vermittler oder Coach über dein Anliegen und begründest, warum du die Leistung brauchst. Je konkreter, desto besser.
Nützlich ist, wenn du einen passenden Träger schon im Blick hast. Die Kursnet-Datenbank der Agentur für Arbeit{target=“_blank” rel=“noopener”} listet zertifizierte Anbieter. Der Träger muss nach § 176 SGB III zugelassen sein.
Wenn der Gutschein ausgestellt ist, kontaktierst du den Träger, vereinbarst einen Start und meldest die Teilnahme zurück. Der Träger rechnet direkt mit der Behörde ab, du zahlst nichts.
Was mache ich, wenn der AVGS abgelehnt wird?
Gegen eine Ablehnung kannst du Widerspruch einlegen. Die Frist beträgt einen Monat nach Zustellung des Bescheids. Der Widerspruchsweg ist der gleiche wie beim Bildungsgutschein. Mehr dazu im Artikel Widerspruch einlegen: Fristen und Aufbau.
Wer im Gespräch den Eindruck hat, dass sein Anliegen nicht verstanden wurde, kann sich auch an einen Sozialverband wenden. VdK und SoVD beraten bei Fragen zu SGB II und SGB III. Die Verbraucherzentrale{target=“_blank” rel=“noopener”} vermittelt bei komplizierten Fällen.
FAQ
Ist der AVGS dasselbe wie der Bildungsgutschein?
Nein. Der AVGS deckt Coaching, Bewerbungstraining und Vermittlung ab. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III ist für längere Weiterbildungen gedacht. Beide sind Ermessensleistungen, beide brauchen einen zertifizierten Träger.
Bekomme ich automatisch einen AVGS, wenn ich länger arbeitslos bin?
Nein. Es gibt keinen Rechtsanspruch. Die Behörde entscheidet im Einzelfall, ob die Maßnahme deine Eingliederung fördert. Je klarer du dein Anliegen formulierst, desto eher wird bewilligt.
Darf ich den Träger selbst wählen?
Ja, wenn er nach AZAV zertifiziert ist. Die Liste der zugelassenen Träger findest du auf Kursnet. Der Träger muss auf dem Gutschein eingetragen werden, bevor du startest.
Was passiert, wenn ich nicht starte?
Der Gutschein verfällt nach Ablauf der Frist. Wenn die Teilnahme im Kooperationsplan oder in der Eingliederungsvereinbarung verbindlich festgehalten war, kann das zu Minderungen führen. Bei Krankheit oder persönlichen Gründen meldest du dich rechtzeitig bei deinem Ansprechpartner.
Kann ich parallel AVGS und Bildungsgutschein haben?
Das kommt vor. Ein Orientierungs-AVGS vor dem Bildungsgutschein-Antrag kann die Begründung stärken. In der Praxis laufen beide Maßnahmen selten parallel, sondern nacheinander.
Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.
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