Umzugskostenbeihilfe AfA: wenn der Job weit weg liegt
Die Umzugskostenbeihilfe der Agentur für Arbeit nach § 44 Abs. 2 SGB III übernimmt Transport, Maklergebühren und doppelte Mietzahlung, wenn du für einen neuen Job in eine andere Stadt ziehst. Voraussetzung: Der tägliche Pendelweg wäre unzumutbar, und der Arbeitsplatz ist sozialversicherungspflichtig. Die Zusage muss vor dem Umzug vorliegen.
Der Hintergrund ist einfach. Wer arbeitssuchend gemeldet ist und einen Job in einer anderen Region annimmt, soll an den Arbeitsmarkt gebracht werden, auch wenn das einen Wohnortwechsel bedeutet. Die AfA unterstützt dabei mit einem handfesten Zuschuss.
Welche Kosten deckt die Umzugskostenbeihilfe?
Gefördert werden die tatsächlichen Umzugskosten nach Bundesumzugskostengesetz. Die AfA rechnet eng an dieser Vorgabe.
| Posten | Typische Höhe 2026 |
|---|---|
| Transportkosten Spedition | nach Angebot, mit Vergleichsofferten |
| Verpackungsmaterial | pauschal oder nach Beleg |
| Miete Leihwagen | bis etwa 200 Euro |
| Maklerprovision | bis zu zwei Monatsmieten |
| Doppelte Miete Übergangszeit | bis drei Monate |
| Renovierung alte Wohnung | nur wenn vertraglich erforderlich |
Die Auszahlung erfolgt gegen Rechnung. Spediteur-Angebote müssen meistens in Form von drei Vergleichsofferten vorgelegt werden. Wer den günstigsten Anbieter auswählt, hat den geringsten Widerstand bei der Genehmigung.
Wann ist der Umzug “unzumutbar zum Pendeln”?
Die AfA rechnet nach Fahrzeit, nicht nach Kilometern. Als Faustregel gelten über zweieinhalb Stunden pro Tag einfacher Weg als unzumutbar. Bei Schichtdienst, frühem Dienstbeginn oder schlechter ÖPNV-Anbindung kann auch weniger ausreichen.
Konkretes Beispiel: Neuer Job in München, Wohnsitz in Bayreuth. Die Bahnfahrt dauert rund zweieinhalb Stunden einfacher Weg. Pendeln ist theoretisch möglich, aber bei regulärem Bürodienst von 8 bis 17 Uhr bedeutet das über zwölf Stunden Abwesenheit pro Arbeitstag. Hier ist Umzug die realistische Option.
In der Beratungspraxis erlebe ich immer wieder, dass Arbeitgeber für Jobzusagen einen Umzug verlangen, ohne sich an den Kosten zu beteiligen. Die Umzugskostenbeihilfe ist dann ein wichtiges Puzzleteil, ohne das mancher Wechsel wirtschaftlich nicht darstellbar wäre.
Welche Voraussetzungen gelten?
Drei Dinge müssen stimmen. Erstens: Du warst arbeitssuchend oder arbeitslos gemeldet. Zweitens: Der neue Arbeitsplatz ist sozialversicherungspflichtig mit mindestens 15 Stunden pro Woche. Drittens: Die Anfahrt zum alten Wohnort ist tatsächlich unzumutbar.
Die Agentur für Arbeit{target=“_blank” rel=“noopener”} prüft auch, ob das Beschäftigungsverhältnis von gewisser Dauer ist. Ein Dreimonatsvertrag reicht selten. Ab sechs Monaten wird meistens bewilligt, bei unbefristeten Stellen ohnehin.
Wenn du selbst gekündigt hast oder aus Eigeninitiative umziehst, ohne Jobzusage, wird die Leistung in der Regel nicht gewährt.
Wie stellst du den Antrag?
Der Antrag geht an deinen Vermittler bei der AfA. Formlos geht nicht, es gibt ein eigenes Antragsformular “Umzugskostenbeihilfe”. Das bekommst du über das Kundenportal oder in der Geschäftsstelle.
Du brauchst: den unterschriebenen Arbeitsvertrag oder eine verbindliche Zusage, Nachweise über die Kosten (drei Angebote), den alten und neuen Mietvertrag. Wenn noch kein neuer Mietvertrag existiert: Vorankündigung durch den Vermieter.
Wichtig: Die Bewilligung muss vor dem Umzug vorliegen. Nachträgliche Anträge werden nur in Ausnahmefällen anerkannt. Plane mindestens vier Wochen Vorlauf ein.
Mehr zum Hintergrund findest du im Artikel über die Mobilitätshilfe für Fahrtkosten zur Bewerbung, die der Umzugshilfe zeitlich vorausgeht.
Was, wenn der Arbeitgeber zahlt?
Manche Arbeitgeber übernehmen Umzugskosten selbst, entweder vollständig oder teilweise. In diesem Fall wird die AfA-Leistung gekürzt um den Anteil, den der Arbeitgeber trägt. Doppelzahlungen sind nicht vorgesehen.
Das heißt nicht, dass du nichts bekommst. Wenn der Arbeitgeber nur die Transportkosten übernimmt, kann die AfA noch Maklergebühren oder Renovierungskosten zuschießen. Kläre im Antrag transparent, welche Leistungen der Arbeitgeber zusagt. Halbwahrheiten werden spätestens bei der Schlussrechnung auffallen.
Die häufigsten Ablehnungsgründe
Drei Fehlerquellen tauchen immer wieder auf. Erstens: Der Pendelweg ist objektiv zumutbar, auch wenn es subjektiv lästig wirkt. Wer im Großraum Hamburg wohnt und in Hamburg-Harburg arbeitet, hat keine Chance auf Umzugshilfe.
Zweitens: Die Stelle wirkt wirtschaftlich unsicher. Befristete Verträge unter sechs Monaten, Arbeitgeber mit schlechter Bonität, untypisch hohe Gehaltsversprechen ohne Substanz. Die AfA will nicht Umzugskosten bezahlen und drei Monate später wieder die Arbeitslosigkeit.
Drittens: Der Antrag kam nach dem Umzug. Das ist der häufigste Fall überhaupt. Menschen ziehen um, rechnen nach und merken dann, dass sie Unterstützung beantragen könnten. Zu spät.
Was ist mit Arbeitssuchenden im Bürgergeld?
Bürgergeld-Empfänger stellen den Antrag beim Jobcenter, nicht bei der AfA. Die Rechtsgrundlage ist § 16 SGB II in Verbindung mit den Förderinstrumenten des SGB III. Die Beträge sind vergleichbar, die Prüfung ähnlich. Mehr dazu im Artikel über den Übergang von ALG I zu Bürgergeld.
FAQ
Muss ich den günstigsten Umzugsanbieter wählen?
Nicht zwingend, aber du solltest begründen können, warum du einen teureren wählst. Zerbrechliche Möbel, spezielle Anforderungen, bessere Reputation. Pauschal den teuersten zu wählen, ohne Grund, führt zu Rückfragen oder Kürzung.
Wie lange muss ich im neuen Job bleiben?
Eine Mindestbeschäftigungsdauer ist nicht rechtlich vorgeschrieben. Wenn du jedoch innerhalb weniger Wochen kündigst oder entlassen wirst, kann die AfA Nachweis verlangen, dass der Umzug in gutem Glauben erfolgte. Bei offensichtlichem Missbrauch ist Rückforderung möglich.
Sind doppelte Mietkosten wirklich drei Monate gedeckt?
Bis zu drei Monate sind möglich, wenn du nachweisen kannst, dass die alte Wohnung nicht früher gekündigt werden konnte. Bei unbefristeten Mietverträgen reicht meistens die gesetzliche Kündigungsfrist von drei Monaten als Begründung.
Was passiert bei gescheitertem Jobstart?
Wenn das Beschäftigungsverhältnis kurz nach Antritt endet (Probezeit nicht bestanden, Betrieb schließt, gesundheitliche Probleme), wird die Umzugshilfe meistens nicht zurückgefordert, sofern du es nicht zu verantworten hast. Die genauen Regeln stehen in § 44 SGB III{target=“_blank” rel=“noopener”}.
Kann ich auch für einen Selbstumzug Erstattung bekommen?
Ja, in begrenztem Umfang. Leihwagenmiete, Verpackungsmaterial und Helferpauschale sind erstattungsfähig. Die Obergrenze liegt deutlich unter den Kosten einer Spedition, typischerweise bei 300 bis 500 Euro für einen Wohnungsumzug.
Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.
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