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Kostenlose Weiterbildung über das Arbeitsamt

AVGS Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein: was das ist

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Ruhiger Schreibtisch mit aufgeklapptem Notizblock und AVGS-Dokument, Tageslicht durch Fenster

Ein AVGS, kurz für Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein, ist eine Förderung der Agentur für Arbeit nach §45 SGB III. Damit bezahlt die AfA dir Coachings, Bewerbungsberatung, Profiling oder kurze Trainings bei einem zugelassenen Anbieter. Der AVGS ist kein Bildungsgutschein, sondern ein eigenes Instrument mit kürzerer Laufzeit und anderem Ziel.

Viele Arbeitssuchende hören beim Vermittler das Wort “Bildungsgutschein” und vergessen, dass der AVGS daneben existiert. Das ist schade, weil er oft schneller bewilligt wird und genau dort hilft, wo eine lange Weiterbildung noch nicht der richtige Schritt ist.

Was ist ein AVGS konkret?

Der AVGS ist ein Dokument, das dir bescheinigt: Die AfA übernimmt die Kosten einer bestimmten Maßnahme, wenn du sie bei einem zugelassenen Anbieter deiner Wahl machst. Rechtsgrundlage ist §45 SGB III, die Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung regelt.

Auf dem Gutschein steht drauf, wofür er gilt. Ein konkretes Maßnahmeziel, ein Inhalt, eine zeitliche Befristung. Manchmal ist er regional beschränkt, also nur bei Anbietern in bestimmten Bundesländern einlösbar. Die Gültigkeit liegt üblicherweise bei drei bis sechs Monaten. Innerhalb dieser Frist musst du die Maßnahme starten.

Wichtig zu verstehen: Der Gutschein ist kein Geld, das dir ausgezahlt wird. Er ist ein Zusage an den Anbieter. Du wählst den Anbieter, gibst den Gutschein dort ab, der Anbieter rechnet direkt mit der AfA ab.

Wer bekommt einen AVGS?

Grundsätzlich kommen mehrere Personengruppen in Frage:

  • Arbeitslose mit und ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld
  • Menschen, denen Arbeitslosigkeit droht (also Beschäftigte in Kündigung oder befristeten Jobs)
  • Bürgergeld-Empfänger, bei denen das Jobcenter den AVGS ausstellt
  • Ausbildungssuchende in bestimmten Konstellationen

Die Vergabe liegt grundsätzlich im Ermessen der Agentur. Ermessensleistung bedeutet: Du hast keinen festen Rechtsanspruch, die AfA entscheidet im Einzelfall. Es gibt eine Ausnahme. Wer Arbeitslosengeld nach dem normalen Anspruch bezieht und nach sechs Wochen Arbeitslosigkeit innerhalb von drei Monaten noch nicht vermittelt wurde, hat laut §45 Absatz 7 SGB III{target=“_blank” rel=“noopener”} einen Anspruch auf einen AVGS für die private Arbeitsvermittlung.

Für alle anderen Varianten gilt: Du musst den Vermittler überzeugen, dass die Maßnahme sinnvoll ist.

Was kannst du mit dem AVGS bezahlen?

Die Einsatzfelder sind breiter, als die meisten denken. §45 SGB III kennt mehrere Varianten, und jede deckt andere Inhalte ab.

Maßnahmen bei einem Träger (MAT). Das ist der häufigste Fall. Ein zugelassener Bildungsträger führt ein Coaching oder Training durch. Typische Inhalte sind Bewerbungscoaching, Jobcoaching, Berufsorientierung für Menschen im Umbruch, Profiling und Eignungsfeststellung, Existenzgründungsberatung, Heranführung an den Arbeitsmarkt nach längerer Pause.

Maßnahmen bei einem Arbeitgeber (MAG). Ein Unternehmen gibt dir für bis zu sechs Wochen die Möglichkeit, reinzuschnuppern und deine Eignung zu zeigen. Bezahlt wird der Aufwand des Arbeitgebers, nicht dein Lohn.

Maßnahmen zur privaten Arbeitsvermittlung (MPAV). Ein privater Vermittler hilft dir aktiv, eine Stelle zu finden. Zahlung erfolgt erfolgsabhängig, wenn du wirklich vermittelt wirst.

Einzelmaßnahmen. Zum Beispiel eine einzelne Berufsfindungsberatung, wenn du noch nicht weißt, wohin du beruflich willst.

In der Praxis fragen die meisten Nutzer nach Coaching. Bewerbungsunterlagen professionell überarbeiten, üben für Vorstellungsgespräche, Strategien für den Jobeinstieg entwickeln. Die Dauer liegt bei Coachings oft bei vier bis acht Wochen, bei Einzelmaßnahmen auch darunter.

AVGS oder Bildungsgutschein: was ist der Unterschied?

Beide Förderinstrumente werden über den Vermittler beantragt, aber sie zielen auf unterschiedliche Bedarfe.

MerkmalAVGS nach §45 SGB IIIBildungsgutschein nach §81 SGB III
ZweckAktivierung, Coaching, Bewerbungsunterstützung, ProfilingBerufsabschluss, längere Weiterbildung, Umschulung
Typische Dauer4 bis 8 Wochen4 Monate bis 3 Jahre
ZielgruppeArbeitssuchende mit Orientierungsbedarf oder VermittlungshemmnissenMenschen mit Qualifizierungsbedarf
AbschlussKein anerkannter Abschluss, oft TeilnahmebescheinigungZertifikat, Abschluss, teils anerkannte Prüfung
BewilligungSchneller, weniger UnterlagenAufwändiger, ausführliche Begründung
ErmessenJa, fast immerJa, aber mit Anspruchslogik bei Kriterienerfüllung

In meiner Beratungspraxis sehe ich oft, dass Menschen beides in Kombination nutzen. Erst ein AVGS für Bewerbungscoaching oder Berufsorientierung, dann ein Bildungsgutschein für die eigentliche Weiterbildung. Das ergibt Sinn, weil der AVGS günstig ist und dem Vermittler zeigt, dass du ernsthaft an deiner Situation arbeitest.

Wer darf AVGS-Maßnahmen anbieten?

Nicht jeder Coach oder Berater. Der Anbieter muss nach AZAV zertifiziert sein, also nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung. Rechtsgrundlage ist §176 SGB III in Verbindung mit der AZAV{target=“_blank” rel=“noopener”}. Eine fachkundige Stelle prüft dabei, ob der Anbieter die Qualitätsanforderungen erfüllt, ob die Dozenten qualifiziert sind, ob die Maßnahme inhaltlich tragfähig ist.

Für dich heißt das: Du kannst nicht einfach einen beliebigen Lebensberater buchen und den AVGS dort einlösen. Du musst einen zugelassenen Anbieter wählen. Die Kursnet-Datenbank der Agentur für Arbeit{target=“_blank” rel=“noopener”} listet alle zugelassenen Maßnahmen und Anbieter.

Wie beantragst du einen AVGS?

Der Weg läuft immer über den Vermittler oder Coach. Einen AVGS gibt es nicht auf Knopfdruck im Kundenportal.

Im Gespräch beschreibst du deinen Bedarf. Dabei hilft es, konkret zu sein. Nicht “ich will ein Coaching” sondern “ich habe seit fünf Jahren keine Bewerbungen geschrieben und brauche Unterstützung bei Lebenslauf, Anschreiben und Vorstellungsgespräch”. Je klarer dein Anliegen, desto leichter fällt dem Vermittler die Einordnung.

Wenn du schon einen Anbieter im Blick hast, nenne ihn. Der Vermittler prüft, ob der Anbieter AZAV-zertifiziert ist und ob die geplante Maßnahme zu deinem Eingliederungsziel passt. Wenn beides stimmt, wird der Gutschein ausgestellt. Typischerweise bekommst du ihn innerhalb weniger Tage, teils direkt im Termin.

Hilfreich für den Antrag im Erstgespräch: siehe unseren Artikel zum Ablauf des ersten Vermittler-Gesprächs.

Was tun, wenn der Vermittler ablehnt?

AVGS-Ablehnungen sind seltener als Bildungsgutschein-Ablehnungen, kommen aber vor. Häufige Gründe: Der Vermittler sieht keinen Bedarf, weil er annimmt, du kannst alleine Bewerbungen schreiben. Oder die gewählte Maßnahme wird als ungeeignet eingestuft. Oder der AfA-Budget ist zum Monats- oder Quartalsende knapp.

Du hast mehrere Möglichkeiten. Du kannst deine Begründung schärfen und einen zweiten Anlauf nehmen. Du kannst eine andere Maßnahme vorschlagen. Du kannst bei einer Ermessensentscheidung Widerspruch einlegen, wenn du Verfahrensfehler oder Ermessensmissbrauch vermutest. Das steht genauer im Artikel Bildungsgutschein abgelehnt: erste Schritte, der analog für AVGS-Ablehnungen gilt.

Wer sich unsicher fühlt, kann bei Sozialverbänden wie VdK oder SoVD eine kostenlose Beratung in Anspruch nehmen. Bei geringem Einkommen gibt es den Beratungshilfeschein beim Amtsgericht für anwaltliche Beratung.

Was bringt dir der AVGS wirklich?

Ein realistischer Blick lohnt sich. Der AVGS ist kein Wundermittel. Ein zweitägiges Bewerbungscoaching macht keinen Ingenieur aus einem Verkäufer. Er kann aber Blockaden lösen, die ohne fachliche Unterstützung monatelang bleiben würden.

Was Teilnehmer mir oft erzählen: Nach einem gut gemachten Coaching haben sie das Gefühl, zum ersten Mal seit langem wieder aktiv zu sein. Unterlagen liegen fertig da, ein Plan steht, die nächsten Schritte sind klar. Das ist häufig genau der Impuls, den es vor einer längeren Weiterbildung braucht.

Wer die Zeit im AVGS-Coaching gut nutzt, kommt beim Vermittler danach auch mit einem anderen Auftreten an. Das wiederum erhöht die Chance auf einen Bildungsgutschein für eine längere Qualifizierung. Wer das unterschätzt, verschenkt ein Instrument, das bei richtigem Einsatz der Türöffner für alles Weitere ist.

FAQ

Ist der AVGS kostenlos für mich?

Ja. Die Maßnahmekosten trägt vollständig die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Du zahlst nichts an den Anbieter. Fahrtkosten, die durch die Teilnahme entstehen, können separat beantragt werden (Mobilitätshilfe).

Kann ich den Anbieter frei wählen?

Ja, solange er AZAV-zertifiziert ist und die Maßnahme dem Ziel auf deinem Gutschein entspricht. Manchmal schlägt der Vermittler einen Anbieter vor. Du musst diesem Vorschlag nicht folgen, wenn du begründet einen anderen bevorzugst.

Wie lange ist der Gutschein gültig?

In der Regel drei bis sechs Monate. Das konkrete Ablaufdatum steht auf deinem Gutschein. Bis dahin musst du die Maßnahme begonnen haben, nicht zwingend abgeschlossen.

Kann ich AVGS und Bildungsgutschein kombinieren?

Beide können nacheinander laufen. Ein AVGS für Coaching oder Berufsorientierung, danach ein Bildungsgutschein für die eigentliche Weiterbildung. Parallel geht in der Regel nicht, weil die Inhalte sich überschneiden würden.

Bekomme ich einen AVGS auch als Beschäftigter?

Ja, wenn dir Arbeitslosigkeit droht. Das ist typischerweise der Fall bei Kündigungen, auslaufenden Befristungen oder angekündigtem Stellenabbau. Wichtig: Du musst dich dann auch arbeitssuchend melden.

Zuletzt geprüft am 21.04.2026 von Dr. Jens Aichinger.

Der AfA-Gesprächsleitfaden als PDF Eine 2-seitige Checkliste für dein Vermittler-Gespräch: was du sagst, was du mitbringst, was du vermeidest. Kostenlos herunterladen

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