Trainingsmaßnahme (MAT): wann sie Sinn macht
Die Trainingsmaßnahme nach § 45 SGB III, offiziell “Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung” (MAT), ist ein kurzes berufliches Training von meistens 2 bis 12 Wochen Dauer. Sie dient zur Orientierung, zum Erlernen konkreter Fähigkeiten oder zur Vermittlung an einen Arbeitgeber. Die Teilnahme wird entweder vom Vermittler vorgeschlagen oder über einen AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein) beantragt.
MAT ist das vielleicht vielseitigste Instrument der AfA. Es reicht vom Bewerbungstraining über die praktische Erprobung neuer Berufsfelder bis hin zur konkreten Qualifizierung für einen spezifischen Arbeitgeber.
Was ist eine Trainingsmaßnahme konkret?
Die Bezeichnung ist sperrig, der Inhalt variiert stark. Das SGB III unterscheidet vier Varianten:
| Variante | Zweck | Typische Dauer |
|---|---|---|
| Aktivierung | Orientierung, Selbstmanagement, Motivation | 2-6 Wochen |
| Berufliche Eingliederung | Konkrete berufliche Vorbereitung | 4-8 Wochen |
| Heranführung | Rückkehr in Arbeit nach Pause | 4-12 Wochen |
| Feststellung beruflicher Eignung | Praxisnahe Überprüfung | 2-6 Wochen |
Alle Varianten können beim Träger oder beim Arbeitgeber stattfinden. Beim Arbeitgeber nennt sich das dann betriebliche Erprobung, bei der Probearbeit, Schnupperpraktikum oder Trainee mit Vertrag die AfA organisiert.
Wann empfiehlt der Vermittler eine MAT?
Der Vermittler schlägt eine MAT vor, wenn er Unsicherheit bei deinem beruflichen Profil sieht oder wenn eine konkrete Maßnahme dich schneller in Arbeit bringen kann. Typische Anlässe:
- Nach langer Arbeitslosigkeit als “Türöffner” zurück in die Arbeit
- Beim Berufswechsel zur Erprobung des neuen Felds
- Vor einer Umschulung zur Klärung der Passung
- Als Qualifizierungsbaustein für einen Arbeitgeber, der dich potentiell einstellen will
- Bei Bewerbungsdefiziten (Struktur, Auftreten, Strategie)
Die Agentur für Arbeit{target=“_blank” rel=“noopener”} hat pro Region einen Pool an zugelassenen Trägern. Der Vermittler verweist dich an konkrete Anbieter.
Der AVGS als Selbstantragsweg
Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein nach § 45 SGB III ist der Selbstbeantragungsweg. Wenn du als Arbeitssuchender eine konkrete Vorstellung hast, kannst du einen AVGS fordern.
Voraussetzungen:
- Du bist arbeitssuchend oder arbeitslos gemeldet
- Du hast einen konkreten Anbieter und eine konkrete Maßnahme im Blick
- Der Anbieter ist AZAV-zertifiziert
- Die Maßnahme ist klar von allgemeiner Fortbildung abgrenzbar
In der Praxis gibt der Vermittler den AVGS aus, wenn er überzeugt ist, dass die Maßnahme deine Arbeitsmarktchancen verbessert. Er kann ablehnen, wenn er den Sinn nicht sieht. Das ist eine Ermessensentscheidung.
Mehr zum Antragsweg findest du im Artikel über AVGS und Coaching-Gutscheine.
Typische Inhalte einer MAT
Die Vielfalt der Angebote ist groß. Einige häufige Formate:
Bewerbungstraining. Vier bis acht Wochen Gruppenunterricht. Themen: CV-Optimierung, Anschreiben, Vorstellungsgespräche, Online-Bewerbung, Assessment-Vorbereitung. Oft mit Fotoshooting und Übungsbewerbungen.
Berufsorientierung. Sechs bis zwölf Wochen mit Theorie und Praxisbesuchen. Für Menschen nach langer Pause oder beim radikalen Wechsel. Module zu Selbsteinschätzung, Berufsbildern, Bewerbungswegen.
Branchenvorbereitung. Spezifische Trainings für bestimmte Berufsfelder (Gastronomie, Pflege, Einzelhandel, Logistik). Kombination aus Theorie und Praxis.
Betriebliche Erprobung. Die MAT findet direkt beim Arbeitgeber statt. Du arbeitest 2 bis 8 Wochen probeweise, ALG I läuft weiter, der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, dich einzustellen, aber die Chance steht im Raum.
Was bekommst du während der MAT?
ALG I läuft weiter, als gäbe es die Maßnahme nicht. Zusätzlich erstattet die AfA:
- Fahrtkosten zum Maßnahmeort
- Kinderbetreuungskosten bei parallel anfallender Betreuung
- In Einzelfällen Lehrmittel oder Prüfungsgebühren
Das Gehalt beim betrieblichen Training ist null. Du arbeitest, aber der Arbeitgeber zahlt kein Gehalt. Die AfA zahlt dein ALG I weiter. Das ist beim “Praktikum über die AfA” systemisch so gewollt.
Ist eine MAT sinnvoll?
Die ehrliche Antwort: manchmal ja, manchmal nicht. Wer mit klarem Kopf und konkreten Bewerbungsvorstellungen arbeitssuchend wird, verliert durch eine MAT eher Zeit. Wer orientierungslos ist, gewinnt.
In der Beratungspraxis erlebe ich zwei typische Fallen. Die erste: Menschen landen in einer MAT, die sie nicht brauchen, weil der Vermittler “etwas tun” wollte. Sechs Wochen sitzen die Teilnehmer im Bewerbungstraining, obwohl sie am Bewerben nichts mehr lernen müssen. Die zweite Falle: Eine MAT wird als Vorwand genutzt, um den Bildungsgutschein zu verzögern. “Machen Sie erst mal das Bewerbungstraining, dann sehen wir weiter.”
Wer eine echte MAT braucht, profitiert massiv. Die Praxiserfahrung, das Netzwerk, die konkrete Anstellungschance beim Trägerarbeitgeber können mehr wert sein als ein weiteres halbes Jahr Theorieausbildung.
MAT und Bildungsgutschein: wie verhalten sich diese Instrumente?
Die MAT ist kein Ersatz für einen Bildungsgutschein und umgekehrt. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III zahlt längere, abschlussorientierte Weiterbildungen (Digitalisierungsmanager, Wirtschaftsfachwirt, Umschulungen). Die MAT ist kürzer, modularer, fokussierter auf Aktivierung.
Manchmal kombinieren sich beide Instrumente. Erst eine kurze MAT zur Orientierung, dann eine längere Weiterbildung mit Bildungsgutschein. Wer eine klare Zielrichtung hat, springt direkt in den Bildungsgutschein und spart sich die Zwischenstation. Mehr zum Thema Bildungsgutschein im Artikel Weiterbildung in der Eingliederungsvereinbarung verankern.
FAQ
Muss ich an einer MAT teilnehmen, wenn der Vermittler es vorschlägt?
Wenn die Maßnahme in der Eingliederungsvereinbarung steht und ohne guten Grund abgelehnt wird, können Sanktionen folgen. Begründeter Widerspruch ist möglich: andere Pläne, gesundheitliche Einwände, bessere Alternative. Suche das Gespräch, nicht die Konfrontation.
Kann ich selbst die MAT-Dauer verkürzen oder verlängern?
Die Dauer ist im Bewilligungsbescheid festgeschrieben. Verkürzung bei erfolgreichem Abschluss oder Jobzusage ist möglich. Verlängerung nur in Ausnahmefällen mit Antrag.
Was ist mit Krankheit während der MAT?
Bei Krankheit läuft die MAT weiter, du meldest dich beim Träger ab. Längere Krankheit kann zum Maßnahmeabbruch führen, was der AfA gemeldet wird. ALG I läuft bei Krankschreibung normal weiter, bei längerer Krankheit greift Krankengeld.
Gilt die MAT auch für Bürgergeld-Empfänger?
Ja. Das Jobcenter kann ebenfalls MAT-Maßnahmen nach analogen Regeln beantragen oder verpflichten. Die Rechtsgrundlage ist § 16 SGB II{target=“_blank” rel=“noopener”} in Verbindung mit SGB III.
Was tun, wenn der Träger nicht gut ist?
Bei groben Qualitätsmängeln (keine Inhalte, häufige Ausfälle, schlechte Dozenten) ist ein Trägerwechsel möglich. Sprich zuerst mit dem Träger, dann mit dem Vermittler. Das Beschwerdemanagement der AfA nimmt Hinweise auf und kann Trägerzulassungen im Extremfall entziehen.
Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.
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