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Persönliches Profiling: die Eignungsfeststellung

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Aufgeschlagener Notizblock mit handschriftlichen Stichworten zu Berufsfeldern und Stärken

Das persönliche Profiling nach § 37 Absatz 3 SGB III ist die systematische Bestandsaufnahme deiner beruflichen Situation durch die Agentur für Arbeit. Dabei werden Qualifikationen, Fähigkeiten, Einschränkungen und Vermittlungsaussichten erfasst. Das Ergebnis ist die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen: Vermittlung, Weiterbildung, zusätzliche Maßnahmen.

Viele merken nicht, dass sie gerade profilt werden. Das Erstgespräch bei der Agentur ist im Kern bereits ein Profiling, nur unter anderem Namen.

Was ist ein Profiling genau?

Profiling heißt: Der Vermittler verschafft sich einen strukturierten Überblick über deine Arbeitsmarktaussichten. Daraus entsteht eine Einstufung in eine von vier Kategorien: Marktkunden (schnell vermittelbar), Beratungskunden (Vermittlung mit leichter Unterstützung), Förderkunden (brauchen Qualifizierung) oder Betreuungskunden (mit komplexen Hürden).

Diese Einstufung ist intern und wird dir nicht wortwörtlich mitgeteilt. Sie beeinflusst aber, welche Vorschläge und Förderungen du bekommst. Ein Marktkunde bekommt in der Regel schnellere Vermittlungsvorschläge, ein Förderkunde eher Angebote für Qualifizierung.

Das Profiling ist kein einmaliges Ereignis. Es wird laufend aktualisiert, besonders nach wichtigen Terminen oder wenn sich deine Situation ändert.

Wie läuft das Gespräch ab?

In der klassischen Form findet Profiling als strukturiertes Gespräch von 60 bis 90 Minuten statt. Der Vermittler stellt standardisierte Fragen, dokumentiert systematisch, macht eine Einschätzung.

Themen sind Berufsausbildung und Qualifikationen, bisherige Tätigkeiten und Arbeitsgeber, konkrete Kompetenzen, Sprach- und IT-Kenntnisse, gesundheitliche Einschränkungen, Mobilität und Betreuungspflichten, Bewerbungs- und Berufsvorstellungen.

Manche Agenturen kombinieren das Gespräch mit schriftlichen Selbsteinschätzungen oder Online-Fragebögen. Andere nutzen Kompetenzfeststellungsverfahren durch externe Träger. Das kommt vor, wenn die Situation nicht klar einzuschätzen ist, zum Beispiel bei ausländischen Bildungsabschlüssen oder langen Lücken im Lebenslauf.

Was solltest du einbringen?

Die Realität, in gut strukturierter Form.

Bringe deine Unterlagen mit: Zeugnisse, Qualifikationsnachweise, Fortbildungsbescheinigungen, gegebenenfalls Sprachzertifikate. Nicht alles, was du besitzt, sondern das was relevant ist.

Bereite eine Selbsteinschätzung vor. Was kannst du gut, was weniger? In welchen Tätigkeiten warst du erfolgreich? Wo hattest du Probleme? Der Vermittler fragt danach, und wer darauf nicht antworten kann, wirkt unsicher.

Bring eigene Berufsvorstellungen mit. Zwei bis drei Berufsfelder, in denen du arbeiten könntest oder willst. Nicht zu offen (dann bekommst du beliebige Vorschläge), nicht zu eng (dann siehst du starr aus).

Ehrlich sein bei Einschränkungen. Wer chronische Erkrankungen, Betreuungspflichten oder andere Belastungen hat, sollte sie nennen. Sie sind Teil der Realität und helfen dem Vermittler, passende Angebote zu finden. Verschweigen hilft niemandem.

Was passiert mit dem Ergebnis?

Das Ergebnis fließt in deine Akte und in die Vermittlungsstrategie. Vom Vermittler wird ein Aktivitätenplan abgeleitet: welche Schritte für deine Integration sinnvoll sind.

Bei der Einstufung als Förderkunde steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du einen Bildungsgutschein oder einen AVGS bekommst. Bei Einstufung als Marktkunde wird der Fokus auf schnelle Vermittlung gelegt, mit Stellenvorschlägen und Bewerbungsbegleitung.

Die Einstufung ist nicht statisch. Wer nach drei Monaten aktiver Bewerbung keinen Erfolg hat, wechselt oft in eine intensivere Betreuungsgruppe. Wer eine Weiterbildung abschließt, wird neu eingestuft und kann in die Vermittlung übergehen.

Warum ist das wichtig für dich?

Weil deine Selbstdarstellung im Profiling-Gespräch den Weg der nächsten Monate prägt.

Wer zu passiv wirkt, wird eher in langsame Prozesse gesteuert. Wer zu forsch auftritt, steht unter höherem Ergebnisdruck. Der gesunde Mittelweg ist realistisch, aktiv, kooperativ.

Aus meiner Beratungspraxis: Teilnehmer, die im Profiling-Gespräch konkret mit eigenen Zielen und Ideen kamen, bekamen eher die passenden Förderangebote. Wer abgewartet hat “was die Agentur vorschlägt”, bekam Standardvorschläge, die oft nicht passten.

Das Profiling ist auch die Gelegenheit, einen Weiterbildungswunsch einzubringen. Wer hier klar sagt, was er später machen möchte, legt eine Spur in der Akte, auf die sich später andere Entscheidungen beziehen.

Wann wird Profiling wiederholt?

Bei wichtigen Änderungen.

Nach sechs Monaten ohne Vermittlungserfolg oft eine Re-Einschätzung. Dabei wird geschaut, ob bisherige Annahmen stimmen oder Anpassungen nötig sind.

Nach Abschluss einer Maßnahme (Weiterbildung, Coaching, Praktikum) wird das Profil aktualisiert. Du hast neue Kompetenzen, die Vermittlungsaussichten ändern sich.

Bei Veränderung der Lebenssituation: Umzug, gesundheitliche Veränderungen, Ende der Kinderbetreuung, neue Familienstruktur. All das kann Einfluss haben.

Meistens wirst du nicht formal zu einem neuen Profiling eingeladen. Es geschieht im Rahmen des Folgetermins. Trotzdem solltest du wichtige Änderungen aktiv kommunizieren, nicht darauf warten, gefragt zu werden.

Unterschied zu Kompetenzfeststellung und Assessment

Profiling, Kompetenzfeststellung und Assessment werden manchmal verwechselt.

Profiling ist das Gespräch mit dem Vermittler, kurz, breit, Grundlage der Einstufung.

Kompetenzfeststellung ist ein externes Verfahren, das oft mehrere Tage dauert und bei einem Bildungsträger durchgeführt wird. Mit Tests, Arbeitsproben, Übungen. Das Ergebnis ist ein detailliertes Kompetenzprofil, das über das Vermittler-Gespräch hinausgeht.

Assessment ist ein ähnliches Verfahren, oft in Bezug auf eine konkrete Berufswahl oder Weiterbildung. Viele Bildungsträger bieten Assessments vor Beginn ihrer Kurse an.

Für die Mehrheit der Arbeitssuchenden reicht das Profiling im Vermittler-Gespräch. Eine echte externe Kompetenzfeststellung kommt, wenn die Einschätzung schwierig ist, etwa bei Wiedereinsteigern nach langer Pause oder ausländischen Abschlüssen.

FAQ

Kann ich das Profiling-Ergebnis einsehen?

Du hast ein Auskunftsrecht nach § 83 SGB X und Artikel 15 DSGVO. Du kannst schriftlich bei der Agentur Einblick in deine Akte verlangen. Die interne Kundengruppe wird dir in der Regel nicht wörtlich mitgeteilt, aber du siehst die erfassten Daten.

Was, wenn ich mit der Einstufung nicht einverstanden bin?

Die Einstufung selbst ist kein Verwaltungsakt, gegen den du Widerspruch einlegen kannst. Konkrete Entscheidungen, die auf der Einstufung basieren (Ablehnung eines Bildungsgutscheins, Ablehnung eines AVGS), können aber widersprochen werden.

Dauert ein ausführliches Profiling länger als ein normales Gespräch?

Ja, meist 60 bis 90 Minuten statt 30 bis 45. Wenn ein ausführliches Profiling angesetzt wird, bekommst du die längere Zeit im Termin genannt.

Was, wenn ich zu gesundheitlichen Einschränkungen nichts sagen will?

Du musst sie nicht offenlegen. Aber: Wenn sie relevant für deine Arbeitsfähigkeit sind und du sie verschweigst, kann das später zu Problemen führen (zum Beispiel eine Maßnahme, die du gesundheitlich nicht durchstehst). Ein offener Umgang, wenn auch ohne medizinische Details, ist meist die bessere Strategie.

Brauche ich für ein Profiling Unterlagen, die ich sonst nicht brauche?

Nicht zwingend, aber hilfreich sind Qualifikationsnachweise, die du im Arbeitsalltag vielleicht ignoriert hast: Seminar-Bescheinigungen, Lehrgangszeugnisse, IT-Zertifikate, Ehrenamts-Nachweise. All das erweitert dein Profil.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem nach AZAV durch DEKRA zertifizierten Bildungsträger mit Sitz in Bayreuth. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung unterwegs. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.

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