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Mein Job-Portal: wie du es zu deinem Vorteil nutzt

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Tablet auf einem Schreibtisch mit einem Jobportal-Interface, daneben Kaffeetasse und Stift

Das Job-Portal der Agentur für Arbeit unter arbeitsagentur.de/jobboerse ist mehr als eine Stellenbörse. Es ist dein digitales Profil, dein Bewerbungstagebuch und deine Kommunikationszentrale mit dem Vermittler. Wer es aktiv nutzt, hat bessere Karten als jemand, der es nur zum Lesen von Stellenanzeigen aufmacht.

Die meisten Arbeitssuchenden nutzen das Portal falsch oder gar nicht. Das ist schade, denn es ist eines der wenigen Behörden-Tools, die wirklich funktionieren.

Was steckt hinter dem Portal?

Das Portal hat zwei zusammenhängende Bereiche. Die öffentliche Jobbörse{target=“_blank” rel=“noopener”} mit aktuell rund 1,5 Millionen Stellenangeboten. Und den persönlichen Login-Bereich “Mein eServices”, in dem dein Profil, deine Bewerbungen, deine Nachrichten und deine Akte stehen.

Der Zugang läuft über ein Benutzerkonto, das du beim Arbeitslosmelden bekommst oder selbst anlegst. Du meldest dich mit Benutzernamen und Passwort an, oder per BundID.

Nach der Anmeldung siehst du deinen Dashboard mit Terminen, Postfach, Lebenslauf, Stellenvorschlägen. Das ist der Arbeitsplatz, in dem auch dein Vermittler sein Fenster zu dir hat.

Wer sieht was?

Das ist die entscheidende Frage, und sie wird selten beantwortet.

Dein Profil hat drei Sichtbarkeitsstufen. Stufe 1: nur du. Stufe 2: Vermittler und Behörde. Stufe 3: Arbeitgeber, die dein Profil über die Datenbank finden.

Was du unter “Lebenslauf”, “Qualifikationen”, “Wunschberuf” einträgst, ist für den Vermittler sichtbar. Auch deine Bewerbungsaktivitäten, wenn du sie im Portal dokumentierst. Auch deine Nachrichten im Postfach.

Was du unter “Bewerberprofil für Arbeitgeber” einstellst, ist die Arbeitgeber-Version. Hier kannst du wählen, ob du sichtbar sein willst oder nur selbst aktiv suchen möchtest. Viele Nutzer lassen ihr Profil aus Gewohnheit auf unsichtbar. Das ist eine verschenkte Chance.

Wie richtest du das Profil richtig ein?

Im ersten Vermittler-Gespräch wird der Vermittler oft fragen, wie aktiv du schon warst. Ein gepflegtes Profil beantwortet einen Teil der Frage automatisch.

Lebenslauf vollständig ausfüllen. Ausbildung, alle Stationen, Qualifikationen, Sprachen, Führerschein. Auch Nebentätigkeiten und Praktika gehören rein. Die Agentur hat einen strukturierten Editor, der dir beim Formatieren hilft.

Wunschberuf realistisch, aber offen. Wer sich nur auf einen Beruf festlegt, bekommt weniger Vorschläge. Wer zu breit bleibt, bekommt unpassende. Zwei bis drei verwandte Berufe sind die goldene Mitte. Der Vermittler kann das Feld bei der Beratung anpassen.

Foto hochladen, wenn gewünscht. Nicht Pflicht, aber ein realistisches Bewerbungsfoto erhöht die Rücklaufquote bei Arbeitgebern. Kein Urlaubsfoto, kein Selfie.

Dokumente hochladen. Zeugnisse, Qualifikationsnachweise, Bewerbungsunterlagen. Alles, was du später im Gespräch erwähnst, sollte im Portal liegen. Das erspart dem Vermittler Suchen und dir Mehrfachübermittlungen.

Was mir Teilnehmer oft berichten: Sie haben das Portal drei Jahre lang nur zum Einloggen genutzt. Beim ersten Vermittler-Termin sind dann wichtige Zeugnisse nicht hochgeladen, und der Vermittler muss nachfragen. Das macht einen schlechten Eindruck und kostet dich Zeit.

Wie nutzt du das Postfach?

Im Postfach läuft die schriftliche Kommunikation mit der Agentur. Eingangsbestätigungen, Terminerinnerungen, Dokumentenanforderungen, Antworten auf deine Nachrichten.

Antworte zeitnah. Zwei bis drei Werktage sind die akzeptable Frist. Wer länger braucht, wirkt desinteressiert, auch wenn das Leben gerade viel ist. Wenn du krank bist oder unterwegs, sag es kurz per Nachricht.

Schreib sachlich, vollständig, ohne Emotion. Keine Kränkungen, keine Ausrufezeichen, keine Emojis. Das klingt starrer, als es gemeint ist. Dein Schreibstil landet in der Akte und prägt den Eindruck.

Bewahre wichtige Nachrichten auf. Das Postfach ist nicht unbegrenzt, und die Agentur löscht nach Fristen. Was du dauerhaft brauchst, lädst du als PDF herunter.

Wie dokumentierst du Bewerbungen?

Das ist der meistunterschätzte Teil. Du kannst im Portal jede Bewerbung eintragen, mit Stellenbezeichnung, Datum, Unternehmen, Status. Das zeigt dem Vermittler, dass du aktiv bist, ohne dass du bei jedem Termin eine Excel-Tabelle vorlegen musst.

In vielen Eingliederungsvereinbarungen steht eine Mindestzahl an Bewerbungen pro Monat. Wer sie im Portal dokumentiert, hat den Nachweis jederzeit griffbereit. Ein regelkonformer Umgang mit der Eingliederungsvereinbarung wird einfacher.

Ehrlich dokumentieren, nicht aufblasen. Fake-Bewerbungen fliegen auf, wenn der Vermittler stichprobenartig nachfragt. Ein Flunkern bei der Anzahl kann zur Sanktion führen.

Welche Funktionen sind unterschätzt?

Drei Tools nutzt kaum jemand, obwohl sie nützlich sind.

Stellenvorschläge. Das Portal erstellt auf Basis deines Profils automatisch Vorschläge. Die Qualität hängt davon ab, wie präzise dein Profil ist. Wer regelmäßig rein schaut, sieht schneller passende Angebote.

Benachrichtigungs-Agent. Du kannst definierte Suchen speichern und bekommst eine E-Mail, sobald neue Stellen eingestellt werden. Das ist nützlich bei Nischen-Berufen oder bestimmten Regionen.

Arbeitgeber-Suche. Du kannst umgekehrt nach Arbeitgebern filtern und dich initiativ bewerben, auch wenn sie keine offene Stelle inseriert haben. Nicht jeder Arbeitgeber reagiert, aber es ist ein Kanal.

FAQ

Muss ich Bewerbungen im Portal dokumentieren?

Nur wenn deine Eingliederungsvereinbarung es verlangt oder der Vermittler ausdrücklich danach fragt. Sinnvoll ist es trotzdem, weil es den Nachweis erleichtert.

Kann ich mein Profil vor dem Vermittler verstecken?

Nein. Das Profil ist Teil deiner Akte und für den Vermittler sichtbar. Du kannst nur die Arbeitgeber-Sichtbarkeit steuern, nicht die interne.

Was passiert, wenn ich mich lange nicht einlogge?

Nichts Unmittelbares. Aber wenn der Vermittler einen Termin ankündigt oder eine Nachricht schickt und du nicht reagierst, wird das in der Akte vermerkt. Wiederholte Nichtreaktion kann zu Rechtsfolgen führen.

Kann ich mein Profil löschen, wenn ich wieder einen Job habe?

Ja. Nach dem Ende des Leistungsbezugs kannst du das Bewerberprofil deaktivieren oder löschen. Die Agentur informiert dich in der Regel darüber, welche Daten wann gelöscht werden.

Muss ich eine App installieren?

Nein. Der Webzugang reicht. Die App BA-mobil ist bequemer, aber optional. Die wichtigsten Funktionen sind in beiden Versionen verfügbar.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem nach AZAV durch DEKRA zertifizierten Bildungsträger mit Sitz in Bayreuth. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung unterwegs. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.

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