Mit einem AfA-Dolmetscher ins Gespräch gehen
Wenn du Deutsch nicht ausreichend verstehst, kannst du für das Vermittler-Gespräch bei der Agentur für Arbeit einen Dolmetscher beantragen. Der Antrag läuft vor dem Termin über die zuständige Agentur. Die Kosten trägt die Agentur, wenn die Verständigung sonst nicht möglich wäre. Das regelt allgemein das Verwaltungsverfahrensgesetz und konkret die interne Weisungspraxis der Bundesagentur.
Niemand muss ein Behördengespräch führen, das er nicht versteht. Das gilt für Sprachen ebenso wie für Gebärdensprache, und es ist keine Bitte, sondern ein Anspruch.
Wer hat Anspruch auf einen Dolmetscher?
Anspruch auf eine sprachliche Verständigungshilfe haben alle Menschen, die ohne sie das Beratungsgespräch nicht sinnvoll führen können. Das umfasst:
- Menschen, die Deutsch als Fremdsprache erst lernen
- Geflüchtete und Migranten ohne ausreichende Deutschkenntnisse
- Gehörlose und schwerhörige Menschen (Gebärdensprachdolmetscher, siehe eigener Artikel)
- Menschen mit Leseeinschränkungen oder Sprachstörungen
Die Grundlage ist einerseits § 23 Verwaltungsverfahrensgesetz (Amtssprache Deutsch) in Verbindung mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz, andererseits konkret für Menschen mit Behinderung § 187 SGB IX und § 17 SGB I. Die Agentur für Arbeit folgt diesen Regeln und stellt Dolmetscher oder alternative Hilfen.
Welche Sprachen sind abgedeckt?
Die Agentur für Arbeit{target=“_blank” rel=“noopener”} arbeitet mit Dolmetscherpools zusammen, die die wichtigsten Sprachen abdecken. Zu den häufig verfügbaren Sprachen gehören:
- Arabisch
- Englisch
- Französisch
- Türkisch
- Russisch
- Polnisch
- Rumänisch
- Ukrainisch
- Farsi
- Kurdisch (verschiedene Dialekte)
- Spanisch
- Italienisch
- Serbisch, Kroatisch, Bosnisch
- Albanisch
- Vietnamesisch
- Tigrinya, Amharisch (teilweise)
- Gebärdensprache (DGS)
Seltenere Sprachen sind verfügbar, brauchen aber Vorlauf. Wenn deine Sprache nicht im Standardangebot ist, gib der Agentur mehr Zeit zur Organisation (zwei bis vier Wochen vor Termin).
Wie beantragst du einen Dolmetscher?
Der Antrag ist formlos, funktioniert aber nur, wenn er vor dem Termin bei der Agentur eingeht. Drei Wege sind üblich.
Weg 1: Bei der Einladung antworten. Wenn du eine Einladung zum Termin bekommst, antwortest du schriftlich oder per Telefon: “Ich benötige einen Dolmetscher für [Sprache]. Bitte organisieren Sie das für den Termin.” Das reicht meistens.
Weg 2: Servicehotline anrufen. Die Hotline 0800 4 5555 00 nimmt Anfragen entgegen. Wenn du noch keinen Dolmetscher sprichst, bitte einen deutschsprachigen Freund, Familienmitglied oder Sozialarbeiter, für dich anzurufen. Das ist zulässig.
Weg 3: Direkt beim Vermittler anfragen. Wenn du schon eine Vermittlerin hast, bittest du sie beim letzten Gespräch oder per Nachricht um einen Dolmetscher für den nächsten Termin.
Der Antrag sollte frühzeitig gestellt werden. Dolmetscher haben eigene Termine, auch Online-Plattformen mit Video-Dolmetschern brauchen Zeit. Zwei Wochen vor dem Gespräch ist ein guter Puffer.
Wer trägt die Kosten?
Die Agentur für Arbeit trägt die Kosten des Dolmetschers, wenn die Verständigung andernfalls nicht möglich wäre. Das ist die Standardregel. Du musst nichts vorstrecken und bekommst keine Rechnung.
Wer selbst einen Dolmetscher mitbringt (Freund, Verwandter), geht kostenneutral ins Gespräch. Die Agentur akzeptiert das. Aber: Ein gestellter Dolmetscher der Agentur ist neutral und professionell. Ein Verwandter kann Dinge anders übersetzen als gemeint waren. Wenn es um deine Zukunft geht, ist der professionelle Dolmetscher meistens die bessere Wahl.
Wie läuft ein Gespräch mit Dolmetscher?
Die Dynamik ist anders als ohne Dolmetscher. Darauf kannst du dich einstellen.
| Punkt | Was zu beachten ist |
|---|---|
| Dauer | 1,5-fach bis 2-fach länger als ohne Dolmetscher. Der Termin muss länger angesetzt werden |
| Sprechtempo | Kurze Sätze sprechen, Pausen einlegen, damit übersetzt werden kann |
| Richtung | Du sprichst zum Vermittler, nicht zum Dolmetscher. Der Dolmetscher ist Werkzeug, nicht Adressat |
| Inhalte | Alles wird übersetzt. Kein Flüstern, kein “lass das bitte weg”. Der Dolmetscher ist zur vollständigen Übersetzung verpflichtet |
| Notizen | Der Dolmetscher macht sich eigene Notizen zur Genauigkeit |
Ein gutes Gespräch mit Dolmetscher erfordert mehr Disziplin von allen Seiten. Wer das weiß, kommt besser durch.
Was ist bei Videodolmetschen?
Die Agentur nutzt zunehmend Video-Dolmetscher-Dienste. Du sitzt im Raum mit dem Vermittler, der Dolmetscher ist per Video zugeschaltet. Das funktioniert für häufige Sprachen oft gut und ist schnell verfügbar.
Nachteil: Video-Dolmetschen bei komplexen Themen kann anstrengend sein. Bei Reha-Gesprächen, psychischen Themen, sehr persönlichen Fragen ist ein Präsenz-Dolmetscher manchmal besser. Du darfst das bei der Terminvereinbarung ansprechen.
Was, wenn der Dolmetscher nicht neutral wirkt?
Dolmetscher sind zu Neutralität und Verschwiegenheit verpflichtet. Wenn du den Eindruck hast, dass der Dolmetscher eigene Meinungen einfügt, Verzerrungen übersetzt oder dich bewertet, solltest du das ansprechen. Entweder direkt im Termin (wenn du dich traust) oder nachträglich bei der Teamleitung.
Ein sachliches Feedback lautet: “Ich hatte den Eindruck, dass nicht alles vollständig übersetzt wurde. Ich möchte beim nächsten Termin einen anderen Dolmetscher.” Das wird ernst genommen.
In meiner Beratungspraxis sehe ich gelegentlich, dass Teilnehmer Dolmetscher aus dem eigenen Kulturkreis bekommen, und die Beziehungen zwischen Dolmetscher und Familie können kompliziert sein. Wer das vermutet, darf einen Wechsel anfordern.
Was, wenn keine passende Sprache verfügbar ist?
Bei seltenen Sprachen (Tigrinya, Somali, Paschtu, Burmesisch) kann es schwierig werden. Dann gibt es mehrere Wege:
- Verschiebung des Termins. Die Agentur verschiebt den Termin um zwei bis vier Wochen, um einen Dolmetscher zu finden.
- Alternative Sprache nutzen. Wenn du neben deiner Muttersprache eine Brückensprache sprichst (Englisch, Französisch, Arabisch), kann der Dolmetscher dort eingesetzt werden. Weniger ideal, aber machbar.
- Sozialverband oder Migrationsberatung einbinden. Caritas, Diakonie, IvAF-Netzwerke{target=“_blank” rel=“noopener”} haben eigene Dolmetscher-Pools und können teilweise die AfA vertreten.
In allen Fällen: nicht ohne Verständigung ins Gespräch gehen. Ein Termin, den du nicht verstehst, führt zu schlechten Ergebnissen. Lieber verschieben.
Dokumente auf Deutsch verstehen
Der Dolmetscher hilft im Gespräch, aber was ist mit schriftlichen Bescheiden? Die sind auf Deutsch. Wenn du einen Ablehnungsbescheid oder eine Eingliederungsvereinbarung bekommst, ist die Übersetzung nicht mehr Aufgabe der Agentur.
Für diesen Fall gibt es:
- Migrationsberatungsstellen (IvAF, JMD) in allen größeren Städten
- Sozialverbände (VdK, SoVD) mit migrationsspezifischen Angeboten
- Zugewiesene Integrationscoaches (bei anerkannten Geflüchteten)
- Kostenlose Erstberatung mit Beratungshilfeschein beim Amtsgericht
Wer einen Bescheid nicht lesen kann, sollte ihn nicht auf sich beruhen lassen. Fristen (Widerspruchsfrist: ein Monat) laufen auch ohne Verständnis.
FAQ
Muss ich einen Dolmetscher beantragen oder kommt er automatisch?
Du musst ihn beantragen. Die Agentur stellt nicht selbstständig fest, dass du einen brauchst. Sobald du den Bedarf äußerst (schriftlich oder telefonisch), wird organisiert.
Was wenn ich einen Freund als Dolmetscher mitbringe?
Das ist erlaubt. Der Freund darf übersetzen, hat aber keinen offiziellen Status. Das heißt: Er ist nicht zur Verschwiegenheit verpflichtet, kann nichts amtlich beglaubigen, und der Vermittler kann seine Darstellung nicht rechtssicher verwenden. Für informelle Gespräche okay, für wichtige Entscheidungen eher einen professionellen Dolmetscher verlangen.
Ist der Dolmetscher schriftlich verpflichtet, vertraulich zu bleiben?
Ja. Dolmetscher, die über die Agentur vermittelt werden, unterliegen einer Schweigepflicht und dem Datenschutz. Du kannst dich darauf verlassen, dass persönliche Informationen im Raum bleiben.
Was, wenn sich herausstellt, dass mein Deutsch doch reicht?
Kein Problem. Der Dolmetscher bleibt für den Termin da, tritt aber nur bei Bedarf ein. Kosten entstehen dir keine. Es ist besser, einen Dolmetscher bereitzuhaben und ihn nicht zu brauchen, als umgekehrt.
Kann ich nach dem Gespräch eine schriftliche Übersetzung des Protokolls verlangen?
Nein. Die Agentur stellt Dolmetscher für die mündliche Verständigung. Schriftliche Übersetzungen von Protokollen oder Bescheiden sind nicht Teil des Anspruchs. Hier hilft eine Migrationsberatung.
Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist promovierter Naturwissenschaftler, Gründer von SkillSprinters (DEKRA-zertifizierter Bildungsträger nach AZAV) und erlebt regelmäßig Teilnehmer, die als Dolmetscher-Assistierte ihren Weg durch das Antragsverfahren finden. In seinen Kursen sind mehrsprachige Teilnehmer normal, nicht die Ausnahme. Mehr zum Autor.
Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.
Der AfA-Gesprächsleitfaden als PDF
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